16. März 2008

Chile - Ein Wirtschaftsmärchen

3sat hat in dieser Woche die Dokumentation "Chile - Ein Wirtschaftsmärchen" gezeigt.
Mit einem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr geht es steil aufwärts mit der noch jungen chilenischen Wirtschaft. Ein Drittel der Wirtschaftsleistung wird mit 65 Milliarden USD durch den Export realisiert. Chile ist der größte Kupferproduzent (die Hälfte des Exports) und der zweitgrößte Lachsproduzent (nicht immer artgerechte Haltung) der Welt. Weiterer Exportschlager sind Früchte, deren größter Abnehmern China und Deutschland sind.
Pro Jahr produziert die chilenische Filmindustrie 15 neue Filme. Dass die Filme richtig gut sind, habe ich hier schon berichtet. Auch für deutsche Filmemacher ist Chile interessant geworden. Hannelore Elsner und Bettina Zimmermann haben gerade unter dem Arbeitstitel "Liebe und Tod in Chile" einen Thriller gedreht, bei dem es um einen Mutter-Tochter-Konflikt geht. Im Herbst 2008 wird der Film als 2-Teiler im ZDF zu sehen sein.
Natürlich spielen die Vinãs mit ihren Spitzenweinen auch eine große Rolle, wie beispielsweise Concha y Tore. Als Reiseland besticht Chile mit seinen Naturschönheiten und seiner sehr guten Tourismus- und Verkehrsinfrastruktur.
Es ist eine schöne Dokumentation, mit schönen Bildern. Die Probleme des Landes wurden nicht erwähnt, bis auf das noch ca. 15 Prozent der Bevölkerung in Armut leben. Aber selbst darin zeigt sich ein Erfolg der chilenischen Wirtschaftspolitik. Waren es vor noch nicht allzu langer Zeit mehr als 50 Prozent, die in Armut lebten.
Nun ja, möge sich jeder am besten selbst ein Bild vom Land und den Leuten machen. Ich liebe es jedenfalls.

Link zur ZDFmediathek. Unter dem Stichwort Chile lässt sich das 29 minütige Video finden.

15. März 2008

sei Berlin

Ich bin tatsächlich Berlin. Denn, seit ich geboren bin, lebe ich hier, wohne und arbeite ich in Berlin. Ich bin auch erst zweimal umgezogen. Dafür werde ich von vielen belächelt. Nur zweimal und nie woanders hin. Brauchte ich nicht, wollte ich nicht, hat sich nicht ergeben und will ich eigentlich auch gar nicht. Bis auf eine Ausnahme. Der dritte Umzug sollte mich vor gut anderthalb Jahren nach Santiago de Chile führen. Auch eine Hauptstadt, noch viel größer und sehr ähnlich [Darum heißt mein blog auch so, den ich seit einem Jahr schreibe].

Aber warum mag ich Berlin und warum stelle ich es mir so schwer vor, in eine andere Stadt zu gehen?

Berlin hat schlecht spielende Musiker in der U-Bahn. Konkurrierende Straßenzeitungsverkäufer, mit individuellem Schicksal, die sich keiner so recht vorstellen kann. Berliner, die im KaDeWe shoppen und in der 6. Etage Champagner trinken oder Austern schlürfen. Viele schlecht und geschmacklos angezogene Leute auf der Strasse.
Viel zu viele Hunde und stinkende Hundehaufen. Dreckige Straßen und Bahnhöfe. Mit Kaugummi voll geklebte Plätze. Kaum einen Fußweg ohne „Gehwegschäden“. Aggressive und betrunkene Penner auf dem Alexanderplatz.
Westberliner, die niemals in den Ostteil der Stadt fahren und sich in Berlin-Mitte verlaufen würden. Die Szenestadtbezirke Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg. Einmalige echte multikulti Wohnviertel und Migrationsprobleme in einzelnen Kiezen. Hellersdorf und Zehlendorf, die gegensätzlicher nicht sein könnten und in denen ich so gut wie nie bin.

Es gibt sehr viele Theater und Bühnen, große und kleine. Unendlich viel Kultur. Das Kulturkaufhaus und das Tacheles. Wir haben die Berlinale. Wir können Radio Eins hören. Graffitis (obwohl ich das Gefühl habe, es werden weniger) und die lange Nacht der Museen. Den Tierpark und den Zoo.
Die Geschichte einer geteilten Stadt, in der es heute schwierig ist, Spuren der Teilung zu finden. Eine Stadt voller Geschichte, mit dem Scheunenviertel, dem Gendarmenplatz und der Synagoge in der Oranienburger Straße.

Jetzt haben wir Berliner gerade selbst festgestellt, dass wir eigentlich gar keine U-Bahn, Busse und Tram brauchen. Mit der S-Bahn und auf Fahrrädern kommen wir auch fast überall hin. Es waren 13 Tage Streik bei der BVG, die die Berliner plötzlich langsamer werden ließen. Ansonsten laufen wir auf Rolltreppen links und nur wer Zeit hat steht rechts. Wir haben einen Dialekt, mit großer Klappe und Busfahrer auf der Linie 100, die kein englisch sprechen. In der S-Bahn wird in englisch angesagt, wenn man in die Circleline umsteigen kann. Wir trinken Café au lait oder „to go“.

Wir haben einen homosexuellen Bürgermeister und das ist auch gut so. Wir sind arm aber sexy. Machen andauernd Partys.
Der lebendigste Ort der Stadt ist für mich Freitags und Samstags die Kreuzung Schönhauser Allee Ecke Eberswalder Straße. Die lebendigste Tramlinie ist die M10, die auch meine Lieblingsstrecke ist. Es gibt unendlich viele Straßenkaffees, Biergärten und ein Dutzend Strandbars an der Spree, wenn die Sonne scheint. Ein Badeschiff und im Winter so gut wie keinen Schnee. Berlin hat Dinge, die sonst in der Art keiner hat. Den Fernsehturm, das (Ost-)Ampelmännchen. Probleme mit der Stadtarchitektur und kein Stadtschloss. Der Palast der Republik hätte stehen bleiben sollen. Und bald haben wir keinen Stadtflughafen Tempelhof mehr. Dafür bald eine Kanzler(innen)-U-Bahn U55, die wir nicht brauchen, mit der aber die Touristen fahren können. In jedem Stadtbezirk haben wir mindestens ein großes Einkaufscenter für „noch mehr schöneres Schoppingerlebnis“. Und wir haben eine Umweltzone. Unendlich viele Frisörgeschäfte.

Die Welt mag uns. Das hören wir zumindest, wenn Schauspieler, Regisseure und Künstler nach Berlin kommen. Zum ersten mal, zum zweiten mal … sie kommen alle immer wieder. Und Sie mögen uns. Jetzt haben wir eine neue Hauptstadtkampagne mit dem Slogan „be Berlin“, der viel Geld gekostet haben soll und den wir jetzt doof finden. Ich denke, da hätte es irgendeinen Slogan geben können. Wir hätten ihn trotzdem doof gefunden. Ja, so sind wir Berliner. Eben einzigartig und liebenswert.

2. März 2008

Die Zeit zum lesen

... hatte ich heute. Harald Schmidt und Charlotte Roche als Sonntagslektüre nach dem Frühstück. Die Nr. 10.

1. März 2008

Proviant


Weil der Honig alle ist, musste heute neuer her. Melata di Bosco von Melauro ist ein italienischer Waldblütenhonig aus kontrollierten ökologischer Landwirtschaft. Erstanden habe ich ihn im Proviant in der Wühlischstrasse 39a. Ein kleiner feiner Laden, der mediterrane Lebensmittel, wie Käse, Wurst, Bio-Brot, Pesto, Olivenöle und Wein von Produzenten anbietet, die alte Familientraditionen fortführen. Das Geschäft ist von innen und außen sehr schön anzusehen. Zu sehen sind manchmal die Preise auf einigen Produkten nicht. So verschandeln sie jedenfalls die schönen Etiketten nicht. Der Preis für den Honig stand unten am Glas; 6,99 €. Ich hätte ihn auch gekauft, wenn ich den Preis gefunden hätte. Auf meiner samstäglichen Einkaufstour habe ich diesen schönen Laden heute gefunden. Nach dem ich vor 2 Wochen bereits den Wochenmarkt am Boxhagener Platz für mich neu entdeckt habe, war ich heute wieder da. Unbewusst zu "Ladenschluss" (leider nur bis 13:30 Uhr) habe ich einen kleinen Brocolli, 3 große Tomaten, 3 Orangen, eine Avocado und eine Portion frischen Feldsalat für 7 EUR erstanden. Rund um den Boxi gibt´s noch eine Menge kleiner, schöner Läden zu entdecken. Das wird wohl für die nächste Zeit mein neues Einkaufsparadies.

Emma tobt

Ein Orkan namens Emma tobt über Deutschland. Wer einen Windfinder sucht, klickt hier. In Berlin regnet und windet es schön; mehr nicht.

23. Februar 2008

China

In China findet bald Olympia statt. Wie die Piktogramme für die einzelnen olympischen Sportarten in chinesischer Schrift aussehen werden, kann im pekingblog hochparterre "nachgelesen" werden.
China ist für mich weit weg. Da kann ich nicht mal eben so einen Kurzurlaub machen und einfach hinfliegen. In meinen Vorstellungen sind das Land und die Menschen dort für mich voller Gegensätze. Alte chinesische Kultur und der Drang in eine moderne Welt. Peking als Welthauptstadt in der es scheinbar alles dieser Welt gibt, und im Gegensatz dazu die Bauern von China, auf dem Land, die noch nie in Peking waren und vielleicht noch nicht einmal wissen, dass es Internet gibt und wie es funktioniert. Ein kommunistisches Land mit Marktwirtschaft, deren meisten Botschaftsangestellte in Deutschland tätig sind. Ich hatte selbst einmal die Möglichkeit, einen ganz kleinen Einblick in die Welt der Botschaftsangestellten zu bekommen.
China-Fieber war für mich immer sehr spannend zu lesen. War, weil Till Fähnders keine Zeit mehr findet, seinen spannenden Blog fortzuschreiben. Jedenfalls vorerst nicht (ich hoffe auf Fortsetzung). Als Ersatz habe ich einen anderen Blog gefunden, der ähnlich interessante Neuigkeiten aus dem Alltagsleben in China berichtet. Jetzt werde ich "Sojahund" und den chinablog des Herrn Lu Hai Riu lesen!

20. Februar 2008

Steuerhinterziehung à la Klaus Zumwinkel

Gedanken
Straftat
kriminelle Energie
neue Asoziale
Verantwortung
Klima in der Gesellschaft
Moral und Gerechtigkeit
Werteverlust

Klaus Zumwinkel erhielt
2001 das Große Bundesverdienstkreuz
2007 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen

17. Februar 2008

Helge Schneider

Nach dem ich das letzte Konzert nicht erleben konnte, war ich letzte Woche in Akopalüze Nau!!!
Bodo, der bisher nur als Helges Teebringer und Lehrling auf die Bühne durfte, spielt nun ganz fantastische Musikinstrumente und darf die ganze Zeit auf der Bühne bleiben. Die neue Band besteht jetzt aus 5 Musikern, die alle ihr Instrument perfekt beherrschen, also würden sie nie etwas anderes gewesen sein. So ist es nicht nur obligatorisch, sondern ein Genuss mit viel Spaß, wenn jeder sein Solo absolviert. An dieser Stelle sollen auch einmal die Namen dieser großartigen Bandmitglieder genannt sein: Pete York am Schlagzeug, Sergej Gleithman und Bodo Oesterling an den Maracas und Kastagnetten, Sandro Giampietro an der Gitarre und Rudi Olbrich am Kontrabass und auf der Tuba.
Vernünftig ist, das Helge als Star die Kluft zwischen Arm und Reich (zeigt dabei auf Publikum und sich selbst) nicht mehr länger so groß halten und zur Show stellen will, und deshalb seine goldenen Musikinstrumente versilbern hat lassen. Zu hören waren unter anderem der "Telefonmann" (mit neuem Text?) und "die Trompeten von Mexiko". Das Helge ein guter Stimmen-Imitator von Udo Lindenberg ist, war ebenfalls wieder zu hören. Und Udo fand es auch nicht so schlecht. Denn, der saß im Publikum und sprang danach auf, angeleuchtet von einem grünen Spot, um freundlich mit dem du-du-Finger, schmunzelnd runter zu winken. Helge kann nicht nur viele Instrumente spielen. Nein, er spricht auch sehr viele Sprachen. Deshalb gab es zum Schluss in französisch gesungen "Chanson". Danke für dieses tolle Konzert, bei dem "man mal alle Sorgen und Probleme vergessen konnte". So, wie es Helges Absicht war.

Ladenhüterinnen

Die Ladenhüterinnen haben nette kleine Läden in der Nähe vom Boxhagener Platz. Eines der Läden ist die Brillenkammer, in der ich eine meiner Brillen gekauft habe. Am Wochenende war ich nun endlich einmal in der LPG in der Krossener Strasse. Die gehört einer der Ladenhüterinnen, was ich bisher nicht wusste.
Ich gehe gern und oft in der LPG - lecker preiswert gut - meine Bio Lebensmittel einkaufen. Im Gegensatz zur LPG am Mehringdamm (dort bin ich am liebsten, weil es immer alles in großer Auswahl ganz frisch gibt und fast nie etwas alle ist), ist die LPG in der Krossener ein kleiner gemütlicher, schön sortierte Laden, der mir das echte Gefühl gibt, noch nett und zuvorkommend bedient zu werden.
Im Gegensatz zu den anderen beiden großen LPG-Geschäften, gibt es diese schöne Tüte nur dort! Da macht es Spaß, den Wochenendeinkauf mit nach Hause zu tragen. Und was ich dort nicht bekommen habe, holte ich mir auf dem Lebensmittelmarkt am "Boxi", den ich vorher auch noch nicht kannte. Zwar wirkt dieser Markt nicht so gemütlich, wie beispielsweise der am Kollwitzplatz. Er ist nämlich nicht so voll und die Stände ziehen sich wegen der großen Abstände so sehr um den Platz herum. Aber die Auswahl an individuellen Käse-, Eier- und Fleischereiständen ist größer und wirkt nicht so "nobel". Statt einer Cafebar gibt es hier vegetarische warme Fladen vom echten kolumbianischen Koch, der alles mit viel Liebe zubereitet.
Olivia gehört auch zu den Ladenhüterinnen, deren Geschäft ich demnächst erkunden werde. Dort gibt´s Schokolade, Torte und wohl noch andere Genüsslichkeiten.

10. Februar 2008

Haus des Lehrers

Das "Haus des Lehres" steht am Alexanderplatz neben der Kongresshalle. Bald ist es nicht mehr zu sehen. Denn, das dort seit 1962 stehende, erste Hochhaus am Platz wird nun bald von einem Neubau-Hochhaus verdeckt. Für mich ist es das schönste Bürohochhaus der Stadt. Es ist hell und strahlt auch hell. Die Fenster sind mit 2,60 Meter so groß, dass man von unten betrachtet, durch die Eckbüros hindurch den Himmel sehen kann. Über der zweiten Etage hängt ein großes buntes Mosaik, welches um das ganze Haus geht und damit zu den größten Kunstwerken Europas gehören soll (7 x 124 Meter). Ich selbst verbinde mit dem Haus ein kleines Stück meiner Kindheit. Meine Mutter hatte dort öfters zu tun und nahm mich dorthin mit. So kann ich mich heute noch an das große breite Treppenhaus erinnern. Ich war dort immer gern.