9. Januar 2010

Jack im Viktoriapark

Jetzt können die ganzen Jack Wolfskin Outfits endlich mal zeigen, wie tragfähig sie sind. Berlin hat Schnee und Kälte ohne Ende. Wer heute im Viktoriapark beim Rodeln mit Kind nicht Jack-like war, gehörte nicht dazu. So gemein kann Kreuzberg sein. Von irgendwo kam dann noch "Viktoria-Kakao" für die Kleinen und "Viktoria mit Schuss" her. Sie, die hippen waldorfgeformten ProjektleiterInnen mit besonderen kommunikativen Backround und internationalen langjährigen Marketingerfahrungen standen so erfolgreich der jungen Rodlergarde in ihrer Jack Wolfskin Vollmontur erfolgreich im Weg. Monturfähig sind Jacke oder Mantel mit Pelzbesatz, Mütze, Handschuhe und Schal. Die Extremos hatten bestimmt noch ein extra JW-Fleece-Jäckchen drunter gezogen, in weinrot. 
Meine Jacke von Jack ist so alt, das gabs noch kein ipod. Deshalb hat sie auch keine Applikation des Logos  auf dem Rücken. 
Und noch etwas ist mir aufgefallen. Die Zugezogenen können ihren Schlitten meist alle nicht lenken und nicht bremsen. Sie gehen die Bahn auch an der Stelle hoch, wo sie runter kamen. Egal ob da vielleicht von oben noch mehr runter wollen. Möge der Schnee noch ne Weile Rodelspaß bringen. Ich geh morgen wieder auf die Piste, mit meinem mindestens 25 Jahre alten Schlitten, gekauft zum EVP, in den Viktoriapark.

23. Dezember 2009

Jahresrückblick

Die Abwrackprämie ist eigentlich die Umweltprämie aus der Richtlinie zur Förderung des Absatzes von Personenkraftwagen vom 20. Februar 2009 mit Änderungen der Richtlinie vom 17. März 2009 und vom 26. Juni 2009. So hat das Jahr für Deutschland begonnen, ein Jahr der Krisen. Förderziel war, die Emission an klassischen Schadstoffen zu senken. Hintergrund war aber, die Autoindustrie im Krisenjahr nicht untergehen zu lassen. Ergebnis: 1.307.139 Autos zu Schrott im Tausch gegen Neu, davon 106.261 neue Opel, alles finanziert aus Steuergeldern und alle hatten so ein Rettungsgefühl (?). Ich fahr mein Fahrrad weiter und Volvo wird chinesisch. Warum haben die Schweden ihre Marke nicht retten können?

Quelle hat zu Beginn des Jahres noch eine Bürgschaft für den Druck des neuen Kataloges (9 Millionenstück mit jeweils 1.400 Seiten) vom Staat erhalten. Übrig geblieben ist der letzte Katalog des uralten Versandhändlers, denn er ist pleite.


Die Bahn ist der Versager des Jahres 2009 geworden. Sie hat es nicht nur geschafft, durch Sparmaßnahmen den S-Bahn-Verkehr in Berlin über Wochen in einem Chaos-Zustand zu halten. Es ist keine hellseherliche Leistung gewesen, was jeder Berliner wusste, bei der ersten Schneeflocke werden Züge ausfallen. Faszinierend der Fahrplan für geplante Zugausfälle, gesehen auf dem Bahnhof am Airport Frankfurt am Main.

Die deutsche Wirtschaft erinnert mich in diesem Tagen sehr an den herzlosen Geschäftemacher Ebnezer Scrooge aus dem Weihnachtsmärchen von Dickens. Die Raffgier vieler Unternehmer ist unerträglich und sie bleibt nicht unbestraft. Zum Jahresende hat das Kaffee-Kartel Dallmayr, Tchibo und Melitta eine Geldbuße von fast 160 Millionen Euro bekommen. Teile des Gewinnes dürften nun futsch sein. Bezahlt haben es letztlich die Kunden.

Eine Krise war auch das Versagen von Kopenhagen. Die Welt kann sich nicht einigen, wie die Welt gerettet werden soll. Quasi eine Krise in der Krise.

In Deutschland wurde die Kanzlerin nochmals gewählt (und Guido ist jetzt nicht mehr so laut, als Aussenminister). In Chile gabe es ebenfalls Präsidentschaftswahlen, Eine Stichwahl ist am 17. Januar 2010 notwendig, aus der wahrscheinlich Piñera als neuer Präsident hervorgehen wird.

Unglaublich war die Notwasserung eines Airbus A320 auf dem Hudson River in New York am 15. Januar. Schrecklich war der Absturz AF 447 in der Nacht vom Mai zu Juni, bei dem alle Insassen im Atlantik vor Brasilien begraben sind.

Ich habe den Fernseher wieder angeschaltet. Verbessert hat sich das Programm nicht. Marcel Reich-Ranicki sollte recht behalten, als er Ende 2008 als Antwort auf den Erhalt des Fernsehpreises sagte, dass es nur wenige gute Sendungen gibt und die zumeist auf Arte laufen. Nach gut 11 Monaten Fernseh-Abstinenz hab ich kaum einen Verlust gemacht. Die On-Taste habe ich gedrückt, weil es draußen dunkel und kalt ist. Es war keine besonders kluge Entscheidung.

Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. Ein schönes und wichtiges Jahr. Das stelle ich fest, wenn ich die Posts in meinem Blog aus diesem Jahr nachlese. Verpasst habe ich definitiv das Konzert von Peter Fox - Stadtaffen, von dem es keines mehr so geben wird. Bleiben wird die Hymne auf Berlin ...


6. Dezember 2009

Begegnung mit den Wichteln

Wer in dieser vorweihnachtlichen Zeit richtig aufpasst, kann unverhofft auf eine Mannschaft von Wichteln treffen ... und die sind nicht nur auf Schlitten unterwegs. Liegt ja auch noch kein Schnee. Ich hab sie schon zwei mal auf der Treppe erwischt.


23. November 2009

Unheil des Konsens


"Consensus killed my idea" - "der Konsens hat meine Idee getötet"


18. November 2009

Siesta in Altentreptow


Auf der Reise zur Erkundung eines neuen sportlichen Vereinszieles durchstreiften wir letzten Sonnabend die Stadt Altentreptow in Mecklenburg Vorpommern. Dort wohnen 5.950 Leute und die halten Samstag Nachmittags von 14 bis 17 Uhr Siesta.
Jedenfalls sind alle zentral gelegenen Cafes und Restaurants während dieser Zeit geschlossen. Das Restaurant "Central" (bietet Mittagstisch von 7 bis 14 Uhr), das Restaurant im "Hotel am Markt", ein Grieche und diverse andere Lokalitäten hatten allesamt zu. Gesprächig und hilfsbereit sind die Altentreptower schon. Wenn 4 Leute suchend durch die leere Innenstadt irren, werden sie angesprochen. Sogar Empfehlungen für das eine oder andere kulinarische Ziel wurden ausgesprochen, nur leider hatten sie alle ... zu. Wir fanden es sogar lustig, weil irgendwie unvorstellbar, das an diesem Ort, Nachmittags gegen halb 3 niemand einen Kaffee trinken oder nett essen will. Einzig der Döner-Imbiss mit neuer Bewirtschaftung und Groegers Imbißstube, der mit Hausmannskost wirbt, luden mit Offenheit zur Nachmittagszeit ein. Döner haben wir in Berlin selber viele und mit diesem Background gleich die neue Bewirtschaftung testen, war nicht unsere Vorstellung. Mit Hausmannskost im Angebot, waren wir zu haben. Dabei machten wir die Bekanntschaft mit denen, die bei Groegers sichtlich ihr zweites zu Hause und sonst nichts zu tun haben. Hier wird mit der Mikrowelle professionell umgegangen. Gulasch mit Rotkohl und Kartoffeln oder auch Kassler mit den selben Beilagen waren für 3,90 EUR zu haben. Noch ein Getränk dazu und schon haben wir 4 jeder einen Vorzugspreis von 5,-- EUR an der Selbstbedienung bezahlt, als wären wir Stammkunden. Zum Abschied haben uns die übrigen 10 Gäste freundlich verabschiedet, als wenn wir morgen wiederkommen würden, fast schon familiär.
Am Rande des Gewerbegebietes, bei Lidl und Co an der Kreuzung mit der Tankstelle, dort steht eine richtige Bäckerei mit Café. Dort werden wir wohl beim nächsten mal unseren Kaffee nehmen, auch wenn die Ecke touristisch nicht wertvoll ist. Eben auf Durchreise, mehr nicht.

10. November 2009

auch schon 40

Heute wird die Sesamstrasse (Sesame Street) 40 Jahre alt. In meiner Kindheit spielte sie quasi keine Rolle. Bei mir waren es Pitti Platsch und Schnatterinchen. Erst später habe ich die Sesamstrasse für mich entdeckt. Und heute gucke sich Sie gern. Ernie und Bert schwimmen in meiner Badewanne. Bert habe ich sogar als Wärmflasche im Schlafzimmer am Schrank hängen. Ich hätte nicht gedacht, dass die auch schon so alte sind wie ich. Herzlichen Glückwunsch.

9. November 2009

Heute vor 20 Jahren

Wo war ich am 9. November 2009? Ich wurde einige Tage vorher zum Wehrdienst einberufen und landete in der Kaserne der NVA in Niederlehme, ganz in der Nähe von Berlin. Die Pressekonferenz und die ersten Nachrichten haben wir nicht mitbekommen, weil es uns nicht erlaubt war, Radio oder Fernsehen zu sehen. Auf der Kompanie gab es zwar ein Fernsehzimmer, aber der Zutritt war uns nicht erlaubt. Ich meine, dass spät Abends Soldaten aus dem Ausgang zurück kamen und davon erzählten, die Mauer sei auf. Das nahm aber keine so recht für voll und alle gingen schlafen. Ich habe die Nacht des 9. November 2009 verschlafen. Am nächsten Tag passierte meiner Meinung nach auch nichts besonderes, auch nicht in der Kaserne. In den folgenden Tagen ging aber vieles Durcheinander und den Offizieren war schnell klar, dass es drunter und drüber geht im Land.
Ich hatte meinen Einberufungsbefehl im Oktober erhalten und mit diesem in der Tasche zu einigen Demonstrationen in Berlin gegangen. Es war unheimlich, als ich einmal Soldaten, die eine Kette um das Staatsratsgebäude und um die Volkskammer bildeten, gegenüber Stand. Damals fragte ich mich, ob ich da wohl auch bald stehen müsse. Es war ein schrecklicher Gedanke für mich, denn ich wollte da keinesfalls stehen. Ganz im Gegenteil.
Das erste mal durch die Mauer konnte ich erst Ende November gehen, denn der Personalausweis war den Wehrpflichtigen abgenommen, mit dem Wehrdienstausweis konnte man nicht gehen und so musste ich mit einer "Abholgenehmigung" erst einmal meinen Personalausweis wieder abholen. Ich wohnte in Pankow, weshalb ich das erste mal auch über die Bornholmer Brücke gelaufen bin. Mir kamen die Tränen.

Für mich sind die Namen der Geschichte des 9. November 1989 die Namen Riccardo Ehrmann, Günther Schabowski und Gerhard Lauter. Ehrmann, italienischer Journalist, fragte am Ende der berühmten Pressekonferenz nach der Reisefreiheit. Schabowski holte darauf hin einen Zettel aus seinem Stapel, auf dem die Reiseregelung stand. Der Zettel war am selben Tag als Entwurf von Gerhard Lauter verfasst worden, der zu der Zeit Leiter Pass- und Meldewesen war. Das der Ablauf an diesem Tag eine Art von Irrtum war, ist das unglaubliche an der ganzen Geschichte, zu der auch Harald Jäger als diensthabender Leiter des Grenzübergangs Bonholmer Strasse gehört. Denn er hat den Schlagbaum hoch gehen lassen, als die Menschen davor standen und riefen "Tor auf".

Wenn ich heute die Bilder und Filme von damals sehe, überkommt es mich vor Freude noch immer. Der November 1989 gehört zu meinen emotionalsten Momente in meinem Leben.
Foto: Potsdamer Platz, Berlin

Heute bin ich auf Dienstreise in München. Vor 20 Jahren habe ich mir das im Traum nicht vorstellen können. Wenn ich am Abend nach Berlin zurück komme, werde ich zur Bornholmer Brücke fahren.
Ich bin froh, das die Geschichte so verlief. Auch wenn ich in der DDR aufgewachsen bin, ich wünsch sie mir nicht zurück. Denn was ich heute bin, bis heute geleistet habe und erleben durfte, das wäre mir in der diktatorischen DDR nicht vergönnt gewesen.

5. November 2009

Ansichten von Palma


Palma de Mallorca ist so schön, weil so klein und doch unterschiedlich. Das sind nur drei Ansichten, die ich in der letzten Woche aufgenommen habe; digital und mental. Während in Berlin der Herbst bei gut 5 Grad zu erleben war, hatte Mallorca 25 Grad zu bieten.
Und ich liebe diese Gelassenheit, morgens um halb 10 Uhr in einer Tapas-Bar zu sitzen, einen Café con leche und ein, zwei Bocadillos vor sich stehen zu haben und neben her den Einheimischen beim Frühstück zuzusehen, die gern ein kleines Bier (0,2 l) oder einen Wein (0,1 l) dazu nehmen.

8. Oktober 2009

Habeneros und der Herbst

Habaneros sind die schärfsten Chilischoten auf der Welt. Gesehen hab ich sie bei Goldhahn & Sampson. Und was haben sie mit dem Herbst gemeinsam? Natürlich die Farben. Auch wenn ich den Herbst nicht mag, mit seiner Kälte und seinem Regen (heute war ein fürchterlicher Regentag). Zu dieser Jahreszeit sind die Farben der Natur am schönsten. In den Gräben entlang des S-Bahnrings hat der wilde Wein eine tiefe weinrotfarbene Tönungen bekommen. Blicke ich über die Bäume des Treptower Parks, sehe ich viele unterschiedliche Grünt- und Gelbtöne. Keine Farbe wiederholt sich, denn jeder Baum hat seine ganz persönliche Farbnuance. Nur leider hält diese Zeit im Herbst auch nicht lange an. Aber die Habaneros, die können eine Weile so liegen. Und wenn´s zu kalt wird, einfach rein beissen und ... abwarten was passiert.