15. Juni 2009

ohne Regen

Sommer in der Stadt ist für gewöhnlich Freiluftkino. Wenn da nicht der Regen und die allgemeine Kälte wäre. Selbst die Biergärten sind dieser Tage leer. Also bleibt nur Kino im Kino ohne Sternenzelt und die griechische Komödie Kleine Verbrechen. Wenigstens etwas Sommer, Sonne, Sand und Strand, wenn einem wegen Starkregen und anderen Wetterunheil der Besuch einer der 20 Berliner Strandbars verwehrt bleibt.
Habe ich jemals einen griechischen Kinofilm gesehen? Kleine Verbrechen kommt ganz ohne Souvláki und Tzatziki aus, aber nicht ohne Leiche, Ouzo und eine schöne Frau. Der Film ist nicht überhitzt und macht Lust, einfach nur so da zu sitzen, auf Plätzen, auf denen kein Tourist nach Schnitzel ruft. Leicht und absolut unamerikanisch kommt er daher, lässt den Regen vergessen. Aber wenn die Sonne dann richtig scheint, werde ich mich nicht mehr erinnern. War ja auch nur eine Ablenkung vom Regen.

13. Juni 2009

W - der Imbiss

Freitags ist der Tag, an dem ich des öfteren zum persönlichen Suhsi-Dealer gehe und günstig leckeres "Abendbrot" verspeise. Mein Dealer ist an der Zionskirche. Gut gesättigt ging ich danach immer an diesem W-Imbiss vorbei, in dem es fast immer voll ist und auf den Tischen leckere Dinge zu sehen waren. Seit neuestem bin ich meinem Sushi-Dealer untreu geworden, weil ich nun auch in den W-Imbiss gehe. Eigentlich ist dieses W ein goldenes und weckt gewisse Erinnerungen an das M einer bekannten Burgerbraterei. Zu gern würde ich dieses W hier auch schreiben ... möge jeder Leser sich selbst das goldene W ansehen. Meine persönliche Empfehlung ist im übrigen das Tandoori-Fischfilets (curry-marinierter Lachs) für 3 EUR und die Quesadillia (gegrillte Tortilla mit scharzer Bohnenpaste, Käse, roten Zwiebeln und Koriander + Dip nach Wahl) für 5 EUR. Dazu vielleicht ein Astra?
Der Inhaber ist Kanadier und es gibt einen echten Tandoori Ofen (aus Lehm in deren Mitte ein Feuer brennt), in dem Naan Brot immer frisch gebacken wird. Demnächst werde ich auch die Naanpizza probieren.
Alles ist frisch und freundlich zubereitet, dazu gibts schöne Musik auf die Ohren und ein abwechslungsreiches Publikum, am Ende der Kastanienallee (Nr. 49). Guten Appetit.

10. Juni 2009

Oldenburg

Es muss nicht immer eine große Stadt sein, um sich einmal im Jahr mit lieben Freunden und Kollegen von überall her zu treffen. Oldenburg ist auch keine große Stadt. Erst war sie deutsch, dann dänisch, 4 Tage russisch und seit dem wieder deutsch. Es gibt ein dreieckiges (rotes) Rathaus, ein (gelbes) Schloß mit vielen Anbauten, eine Kirche ohne Glockenturm und einen Glockenturm ohne Kirche, und die erste und älteste zusammenhängende Fußgängerzone Deutschlands. Dieter Bohlen ist in Oldenburg aufgewachsen. Der Hof-Druckereibesitzer August Schwartz wohnte auch dort und hat im Juni 1870 die Ansichtskarte erfunden. Die Ortszeit bleibt gegen die mitteleuropäische Zeit nur 27 Minuten und 8 Sekunden zurück. Mehr muss man über Oldenburg nicht wissen. Apropos wissen, vielleicht das noch, Oldenburg ist "Stadt der Wissenschaft 2009" und sieht sich als Übermorgenstadt.
Viel wichtiger war, Freunde wieder zu sehen und gemeinsam ein paar schöne Tage zu verbringen. Das kann auch in Bad Zwischenahn gemacht werden, wo wir nach der obligatorischen Bootsfahrt an solch einem Wochenende bei der einzigen Berufsfischerei Rabben anlandeten und bei einem 1A-Vortrag von Marco alles Rund um den Aal (müssen 2 x 6.000 km schwimmen und suchen sich ihr Geschlecht selbst aus) erfahren haben, der auch eine sehr gut schmeckende Fischfrikadelle nach seiner eigenen Omas Rezept zubereitet.
Und wer schon mal am Zwischenahner Meer (ein See von 5,5 qkm) weilt, geht im Kurort in den Spieker zum Aal-Essen, zu dem es davor, zwischendurch und danach den Ammerländer Löffeltrunk auf den Löffel und auf die Hand gibt. Der Löffel wird mit der linken Faust gehalten und später gibts den Weizenkorn zum abspülen über die Hände.
Ansonsten lädt auch der Kurort Bad Zwischenahn zum Umkehren ein. Den Abend lässt es sich viel besser im Patio und im Havana verbringen. Beides sind Location mit etwas südamerikanischem Flair an der Bar und aus der Küche. Im Patio gibt es Barkeeper, die ihr Handwerk verstehen und das Havanna ist Deutschlands älteste kubanische Bar, die am letzten Samstag eine dicke Jubiläumsparty zum 25jährigen feierte. Zu Live-Musik einer kubanische Band ließ es sich prima tanzen. Der gewöhnliche Oldenburger geht im übrigen so gegen 2 Uhr Nachts nach Hause, wir blieben bis kurz nach 4. Das Ziel unserer Reise schien unspektakulär, aber es muss ja nicht immer was ganz großes sein. Auch die kleinen Dinge sind schön. Oldenburg auch.

4. Juni 2009

schillernde Leidenschaft

Vergangenes Wochenende war Berlin wieder eine Metropole voller Lebensfreude - weltoffen, multikulturell, leidenschaftlich. Der Karneval der Kulturen.





Grupo Peru war einer der Preisträger des Karnevals 2009.

18. Mai 2009

Kinder lieben Bücher

"Was die Jugend braucht, ist Disziplin und ein voller Bücherschrank"

Vivienne Westwood

Es ist so einfach, Kindern zu unterhalten. Kinder hören gern zu und lassen sich gern vorlesen. Immer wieder und immer wieder, die gleichen schönen Geschichten. Und wenn sie dann selbst lesen können, lesen sie mit Disziplin, allein und unendlich viel. Bücher können Fernseher ersetzen und am meisten macht es Spass, sie mit der Taschenlampe unter der Bettdecke zu lesen, wenn eigentlich geschlafen werden soll. Also kauft den Kindern nicht diese schrecklichen Hefte, in denen die Figuren komische Namen wie "JJ" und kreisrunde Gesichter ohne menschelnden Ausdruck haben.
Ich habe neulich ein Kinderbuch zum Vorlesen gesucht und habe "Erzähl mir vom kleinen Angsthasen" gefunden. Fast alle Geschichten kenn ich aus meiner Kindheit als Original Kinderbuch und hab sie heute noch in der Kiste liegen. Es ist schön, die Geschichten, die ich selbst gern mochte, heute vorzulesen. Wunderschön sind auch die Zeichnungen. Selbst die Zeit hat das Buch als Tipp erkannt. Kaufen und Kinder glücklich machen.

6. Mai 2009

klein anfangen

en la calle ... poneyes para todos!

5. Mai 2009

ohne Nelken

Ohne rote Nelken zum 1. Mai gehts auch. Früher gab es solch rote Nelken aus Plaste mit einem grünen Drahtstiel, um sie sich ans Knopfloch zu stecken. Die gibts heute gar nicht mehr. Muss meine Mutter fragen, ob sie nicht doch noch irgendwo eine aufgehoben hat.
Oben sind tiefrote Tulpen auf einer Wiese im Britzer Garten zu sehen. So schön können sie in keiner Vase, in keinem Zimmer stehen. Völlig unpolitisch.

27. April 2009

abgewählt

Nein! Ich habe abgewählt, dass gewählt werden darf, nein muss.
Ich war sogar wahlberechtigt darüber zu entscheiden, ob die schulpflichtigen Kinder meiner Nachbarn und Nachbarinnen wählen müssen oder nicht, obwohl ich selbst kein Erziehungsberechtigter bin (dafür einen Pflichtbeitragszuschlag als Kinderloser Single bei der gesetzlichen Krankenversicherung habe). Von 2.445.686 Berlinerinnen und Berlinern sind 365.608 der gleichen Meinung wie ich. 346.119 wollten, dass erziehungsberechtigte Eltern von Kindern und Kinder über 14 Jahren wählen müssen zwischen Religion und Ethik. Die sind jetzt eine Minderheit von 14,9 % in dieser Stadt. Teil der Multikulti-Stadt Berlin.

Eigentlich mach ich mir viel mehr Sorgen, ob die Kinder überhaupt noch was Anständiges lernen. Mathe im Kopf rechnen, einen Satz mit 5 Kommas lesen und verstehen können, mit der Hand ein ordentliches Schreibgerät halten können und eine lesbare Handschrift besitzen. Das sind nicht gerade Eigenschaften, mit denen die Jugend heute trumpft. Jetzt kann jeder sagen, aber Einstein war auch schlecht in der Schule. Der hat aber der Menschheit gescheite Dinge hinterlassen, die heute zu den lehrbaren Wissenschaften zählen.

Ethik und Moral. Es ist vernünftig, dass Religion nicht in der Schule gelehrt wird. Und es ist gut, dass Religionen und Weltanschauungen heute im Unterrricht erklärt werden. Schließlich lebe ich in einem Land, in dem Staat und Kirche getrennt voneinander existieren. Und Schule ist eine staatliche Angelegenheit. Das ist auch gut, denn dadurch kann jedes Kind zur Schule gehen.

Letzte Woche bei meinem Frisör, bei dem noch Handwerk praktiziert wird und ordentlich mit der Schere geschnitten wird, las ich auf der kleinen Preistafel: Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis und von nichts den Wert. Das hat Oscar Wilde gesagt und stimmt. Werte allein kommen nicht nur aus einer Religion oder Weltanschauung. Werte achten heißt für mich, mein Gegenüber und Nebenan zu respektieren und zu tolerieren. Das allerdings muss schon zu Hause gelernt werden und nicht erst in der Schule.

26. April 2009

Laaaaaaange Nacht

Veronica, der Lenz ist das ... Mit dieser Stimmung begann unsere persönliche 1. Lange Nacht der Opern und Theater mit den Berlin Comedian Harmonists im Theater am Kurfürstendamm. Wenn 51 Opern und Theaterhäuser für unschlagbare 12/15 EUR (VVK/AK) Programm nonstop bieten bliebt kaum einer in nur einem Haus sitzen, obwohl die im Schnitt 30 minütigen Programm durchaus zum sitzenbleiben gemacht waren.
Nächste Station war die Deutsche Oper Berlin, John Cages EUROPERA 3, ein wahrlich tiefer Einblick, denn in der Bühnenwerkstatt wurde nicht nur eine Oper zum Tönen gebracht, auf recht unterhaltsame Weise. Ohne Pause gleich weiter ins Haus der Berliner Festspiele, um die Angels Voices, den Gospelchor aus Dortmund zu hören. Richtig gut!
Dann gleich nebenan nochmal gut 70 Minuten anstehen, nur um Ein Mädchen aus dem Volk, Désirée Nick zu sehen und zu hören. "Im Theater prallen alle 2 Zentimeter Weeeelten aufeinander". Konsequenter kann es nicht gesagt werden, im Realen, vom Theater so gemeint und erst recht in dieser Laaaaaaangen Nacht.



Das waren 4 Bühnen in nur 5 Stunden und noch die Abschlußparty im Admiralspalast open End. Wer hat die Langen Nächte eigentlich erfunden? War es wieder einmal Berlin, die kleine Welthauptstadt?