10. Dezember 2008

mehr Vielfarbigkeit geht wohl kaum

Ich hatte mir auch in den Plan geschrieben, mit dem Tren a las Nubes zu fahren. Doch der fährt nur bis Ende November und macht dann eine Pause bis März/April. Statt dessen gab es eine Tour am Rande der Bahnstrecke, nach San Antonio, durch die Puna, zum Salzsee und nach Purmamarca, die ich am Dienstag gemacht habe.

Wieder mit Cásar, dem Guide, der mit seinen 24 Jahren seinen Job richtig gut macht. An dieser Stelle sei mal der Tourveranstalter
turismolaposada erwähnt. In ihrer Art, die Touristen für die Touren zu werben - es gibt in jedem Fall einen Preisnachlass - gewinnt man schnell das Gefühl, hier wird auf Masse gearbeitet. Natürlich sind sie gut gebucht, aber bei der Qualität sind keine Abstriche vorhanden. Viel Zeit für alles, gute Erklärungen und schon noch ein individuelles Erlebnis.
Wieder ging es zu "gewohnter" Zeit los. Kleinerer Bus, weniger Leute. Doch wieder war ich komisch gestimmt. Ich bin wohl doch ein Morgenmuffel. Spanier, die viel rauchen müssen, eine Argentinierin, ein Australier und eine ältere Deutsche. Am Ende der Tour fand ich sie aber doch alle ganz nett und sympathisch. Ich sollte also meine Meinung und Stimmung der ersten beiden Morgenstunden keinesfalls ernst nehmen.
Schnell war auch auf dieser Tour klar. Ich bin in der richtigen Richtung unterwegs. Vergessen der Cañon, heute sollte es noch besser werden, als am Tag zuvor. Noch grösser, noch gigantischer und die Farben, für die habe ich keine Attribute mehr. Bis auf eine Höhe von etwas über 4.000 Meter ging es. Beim Essen der Suppe zitterte meine Hand, mit der ich den Löffel hielt. So macht sich die Höhe bemerkbar, alles geht langsamer. Ganz oben angekommen, in San Antonio, gab es ziemlich gutes Pollo (Huhn) für wenig Pesos. Ich muss erwähnen, das in diesem Örtchen kein Europäer einen Grund finden würde, hier leben zu wollen. Staubig, Baumlos, mehr als karg aber neue kleine Einfamilienhäuser, wie Sozialbauten, mit Internetanschluss und alles was sonst noch benötigt wird. Hier sind die Quechua zu Hause, am Ende der Bahnstrecke, die früher einmal ein wichtiger Punkt war, für Bahntransporte in den Norden von Chile, wo auch kein Zug mehr fährt. Von einer alten Quechua, die mindestens über 85 ist, habe ich ein kleines Lama aus Wolle gekauft. Ein echtes, handgemachtes Mitbringsel, welches garantiert nicht in China hergestellt wurde.
Die Puna ist eine Höhenlandschaft, ganz flach, in der sehr hohe Kakteen stehen und diese Art von stacheligen, flachen Büschen, gelb-gold, wie ich sie aus der Pampas kenne. Weite bedeutet hier, so ungefähr 10 Kilometer gerade aus schauen zu können. Die umliegenden Berge und "Hügel" erscheinen wieder in diesen grandiosen Farben, die während der Fahrt über immer stärker in ihrer Intensität wurden.
Der Salzsee selbst ist gross. In der Atacamawüste in Chile hatte ich aber schon einen grösseren erleben können, der noch schöner war. An sich sind Salzseen aber schon irgendwie spannend. Der Wind pfeift um die Ohren, es ist auch ziemlich frisch (Jacke mitnehmen!), alles ist rund herum weiss. Man selbst steht auf Salzkristallen, die meist eine sechseckige Form haben, selten 5 oder 6 Ecken haben. Wer seine Hand in das Wasser taucht und trocknen lässt, hat eine weisse Hand, die besser nicht an den eigenen Sachen abgewischt werden sollte. Alles ist danach weiss! Schon schön und macht irgendwie klar im Kopf, dort zu stehen.
Als letztes dann Purmamarca. Ein ganz kleines Städtchen, umgeben von Bergen, über die wohl Farbtöpfe ausgegossen wurden. Tiefe dunkle Vielfarbigkeit, unfassbarer Güte, die die Natur hier bietet. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Es ist ohnehin schwer, das gesehene mit den passenden Worten zu beschreiben. Man hat genug damit zu tun, alles aufzusaugen.
Nach Salta zu fahren und von dort die Touren zu machen, von denen es noch mehr gibt, als die beiden, die ich gemacht habe, lohnt sich in jedem Fall und sollte ein Muss bei einer Reise durch Argentinien sein. Heute habe ich einen Tag zum ausruhen inklusive ausschlafen. Es hat die Nacht auch geregnet und gerade eben auch nochmal. Das hat auch was tolles. Morgen geht es dann per Flug zu den Wasserfällen von Iguazú.

9. Dezember 2008

1.000 Km mit dem Nachtbus

Der Bus ist in Südamerika "das" Verkehrsmittel Nummer 1. Damit ist jeder Ort schnell, bequem und - für unsere Verhältnisse - günstig zu erreichen. Ich bin vorgestern Nacht mit Flechabus gute 1.000 Kilometer in 15,5 Stunden nach Salta gefahren. Cama Ejecutivo ist sowas wie Business Class im Langstreckenflieger. Der breite Sessel kann auf eine Neigung von 140 Grad gebracht werden. Dazu gibt es ein kleines Kissen und ne Decke. Ich habe gut geschlafen, denn die Fahrt geht fast monoton gerade aus bei 100 km/h. Zu Essen gibt es auch. Zwei Glas Wein und einen Whisky hinter her. Auf mein no bekam ich dennoch einen ordentlichen Whisky mit Eis und hatte es nicht bereut. Videos werden generell irgend welche amerikanischen Filme in Original con subtitulo gezeigt. Meist Actionfilme oder sonst welche "Family and the big love Storys". Englisch wird also während der Busfahrt aufgefrischt. Kein Wunder, wenn ich hier auch gern mal ein wenig englisch spreche, wenn mein spanisch nicht mehr ausreicht. Die meisten Touristen, die ich zur Zeit treffe, kommen aus den Staaten und aus Kanada, sprechen also auch kein spanisch.

Tucuman war ja eigentlich als meine nächste Station geplant. Habe ich aber wie gesagt ausgelassen bzw. am Vormittag durchfahren und den Busterminal im 10 Minuten Zwischenstopp erlebt. Zwar ist in Tucuman die Unabhängigkeit Argentiniens verkündet worden, sicher interessant und sehenswert. Aber die Weiten und Landschaften finde ich dann doch anziehender, als überhitzte Städte nur als eine Übernachtungsstation zu nutzen. Andere Leute, die ich sprach, fanden es auch nicht unbedingt lohnenswert. Also directo ...

Von Salta bin ich wirklich angetan. Hier beeindrucken Häuser im kolonialen Baustil mein Auge. Ich wohne im Residencial Elena, was familiengeführt ist und sich in einem neocolonialen Haus befindet. Es hat einen wunderschoenen alten, gefliesten Patio. Mit der Inhaberin lässt sich nett plauschen; Sie kommt ursprünglich aus Spanien.
Heute war ich in den ganzen Tag auf Tour nach/in Cafayate. Eine spitzen Tour war das heute. Davon und meiner morgigen Tour dann übermorgen mehr. Ich geh jetzt Essen, es ist nach 10! Passt doch gut.

¡hasta luego!

6. Dezember 2008

erste Bilder

die vier schwarzen Striche sind Strassentunnel ... in den Anden!

Mondlandschaft ...

... im "Valle de la Luna"!

Verlassener Bahnhof der Ferrocarril in Mendoza!

Sonntagsfahrer in Mendoza!

Eine Weinprobe bei Di Tommaso

Sonne hinter den Anden, die hier nicht zu sehen sind!

kulinarisches deSANCHEZ

Das deSANCHES ist ein Restaurant, in dessen Regalen Bücher und ausgesuchte Musik-CD's zu haben sind. Unbedingt mal auf die Homepage gehen. Dann spar ich mir hier an dieser Stelle die Fotos, die ansonsten von der Reise alle am Schluss zu sehen sein werden. Was auf den Bilder der HP nicht so schön zu sehen ist, ist die strukturierte Stofftapete, mit aus dünnen Metallfäden eingewebten Blumenmotiven in silber-taubengrau.
Jeder Tisch hat sein eigenes Gedeck an Gläsern und jeder Tisch ist ein anderer. Hier isst das Auge in jeder Hinsicht mit. Wie von der Reise schon berichtet, ist die Ausstattung meist unwichtig.
Die Karte bietet eine grosse Vielfalt, von Pasta, Fisch und natürlich Rindfleisch. Ich habe mich für ein Rindermedaillon entschieden, was in Rotwein eingelegt und auf den Punkt gebraten wurde. Dazu grüne Bohnen und ein kleines Auflauftörtchen mit Kartoffeln, Karotten und Broccoli, gespickt mit einem frittierten Lorbeerblatt. Die kleine Vorspeise des Hauses muss auch erwähnt werden: Kleiner Salzkeks mit Käsecreme und Tomatenkonfite. Selbstredend ein Wein dazu bestellt, einen Cabernet Sauvignon, der bei Musik von Carla Bruni zu geniessen war.
Desserts gibt es auch, aber das Essen ist reichhaltig und deshalb verzichte ich hier regelmässig zugunsten eines Cortado-chico.
Das Restaurant ist ein Gourmet-Erlebnis der besonderen Art, im sonst so bescheidenen San Juan (Argentinien).

spektakuläre Mondlandschaft

Das einzige was noch fehlte, war die Landung eines Raumschiffes oder das ein grünes Männchen plötzlich und aus dem nichts vor einem steht. Aber es gab so grosse, schwarze, sehr schnell rennende Hirschkaefer, die manchmal sogar aufrecht liefen. Scheinbar waren es elektronische, mit Kamera ausgestatte Wesen, die uns beobachteten ;-)
Aber mal langsam. Die Tour in den PN Ischigualasto ging früh morgens , um 05:30 Uhr in San Juan los. Illoe & Joes aus Holland und ich wurden von Mario unserem Fahrer in einem Polo classic in das Naturschutzgebiet gefahren. Es liegt ca. 390 km entfernt und die Fahrt dauert gut 4 Stunden. Es geht so früh los, weil später die Hitze in der Landschaft, die keinen Schatten bietet, nicht zu ertragen wäre. Durch den Park brachte uns ein Ranger, der seinen Job dort seit 20 Jahren macht und sehr interessant in castillano und english die Entstehung und Geschichte der Landschaft erklärt hat. Es werden einzelne Stationen in dem 63.000 ha grosser Areal angefahren und jede Ecke sieht anders aus. Auch wenn ständig eine rote Felswand, von ca. 120 - 160 Meter Höhe in der Ferne zu sehen ist. Die wird zum Schluss angefahren. Figuren aus rotem Sandstein, einfarbigen Lehm und aus vulkanischer Asche sind überall zu sehen. Am Anfang der Tour durch das Tal musste ich mir die Augen wischen. Nicht nur wegen des fehlenden Schlafes (wir hatten alle schlecht geschlafen in den wenigen Stunden der vergangenen Nacht und schliefen daher auch fast die ganze Zeit auf dem Weg dorthin im Auto), sondern weil es so unecht aus sah. Als wenn es das nicht geben würde oder alles aus Pappe und ziemlich gut gemacht ist: Unterschiedliche Kegel in grau, mit Lehmfarbenen Ringen stehen da massenhaft in einer Schlucht, die so wirkt als würde sie gleich von Massen an Wasser geflutet werden und wir stünden dann am Rand eines breiten Flusses. Drei Tage vorher hatte es auch geregnet und so waren auch noch Spuren einzelner Verschwemmung zu sehen. Wenn es dort regnet, dann rennt das Wasser. Denn alles ist hartes Gestein und das Wasser kann nur "nach vorn"und so gut wie nicht in die Erde. Obwohl vereinzelt grüne Oasen die Landschaft brechen und viele, 2 Meter hohe Kakteen dort stehen. Bizar verformte Steingebilde lassen der Phantasie freien Lauf. Pilze, Kathedralen, U-Boote (El Submarino), Tischplatten und ein Ballfeld (Cancha de Bochas) sind zu sehen. Wo die steinernen Bälle waren, gab es die verrücktesten Käfer ;-). Die Bälle wachsen im übrigen aus der Erde. Das ist kein Witz! Wenn's regnet, und der Wind tut auch seinen Anteil, heben sich diese Steine mit der Zeit langsam aus der Erde.
Ansonsten gab es in dem Tal wirklich vor hunderten von Millionen Jahren Wasser und Seen, in denen sowas wie Krokodile und verschiedene Dinosaurier lebten. In den 70er Jahren hat man dort einige Fossile gefunden, von denen ein paar im Besucherzentrum zu sehen sind.
Die Tour durch den Park dauert 3 Stunden und ist sehr surreal und jedem zu empfehlen der in der Nähe ist. Viel Wasser sollte mitgenommen werden. Zwar gibt es am Eingang beim Besucherzentrum auch welches, aber als Monopol. Und unterwegs sollte auch viel getrunken. Die Rückfahrt bietet dann auch nochmal wunderschöne Blicke über die bestechliche Weite, Weinfelder und Sierra de Valle Fertil. Alles in allem ein toller Tag, an dem ich am Ende ziemlich kaputt war und "vor 12" schlafen ging.

4. Dezember 2008

Siesta in San Juan

Am Nachmittag habe ich es den Einheimischen gleich getan und eine Siesta eingelegt. Da ist niemand auf der Strasse. Alle, aber auch alle Geschaefte sind zu, und es ist einfach nur heiss. Doch mit der Siesta den Tag einteilen und die Zeit nicht zu verlieren, muss wohl auch gelernt sein. Jedenfalls habe ich dadurch den Bus verpasst, oder viel mehr habe ich den Daumen nicht rechtzeitig hoch genommen und er ist an mir vorbei gefahren. So wurde nichts daraus, nach der Siesta die Cavas de Zonda zu besuchen. Es sollen die ungewöhnlichsten Weingüter in ganz Südamerika sein. Sie liegen in einer Höhle, also unterm Berg. Beste Lagertemperaturen für Schaumwein und laut Reiseführer auch ein guter Marketinggag. Wie gesagt, den Bus verpasst und noch einen später hätte ich vor verschlossenen Türen gestanden. Siesta machen ist also nicht so einfach, wenn danach noch was anstehen soll - ausser arbeiten gehen, was sie ja dann hier für normal machen. Blieb mir Zeit, für einen Bummel durch die Stadt, dessen Gehwege alle aus den gleichen ockerfarbenen Fliesen bestehen. Nach einem Cortado plus Crossaint habe im Habana vorbei geschaut. Ein sagenhafter Eisladen, in dem es ungelogen 8 (acht!) verschiedene Sorten von Schokoladeneis gibt. Die da wären: Chocolate, Chocolate Bariloche, Selva Negra, Chocolate Suiza, Chocolate Almendrado, Chocolate Nevado, Chocolate Habana und Chocolate Cabsha. Dazu kommen nochmal 8 verschiedene Sorten Manjar bzw. Dulce. Manjar ist sowas wie das südamerikanische Nutella, wird natürlich gern zum Frühstueck gegessen, gibts auch als Torte und zwischen dem Keks.

Heute Abend werde ich in ein Restaurant gehen, welches mir schon gestern durch die Karte und das Ambiente aufgefallen war. Ich habe nur schon wieder den Namen vergessen. Aber ich weiss noch wo es ist ;-). Davon werde ich demnächst berichten.
Und gestern war ich im Soychu. Die haben ein vegetarisches Buffet, was sich sehen lassen kann. Es muss also nicht immer Fleisch sein. Und auch hier gilt wieder, die Innenausstattung spielt keine Rolle. Auch unter "hellem" Neonschein lässt sich sehr gut Essen. Nur zum Wein trinken bleibt man hier dann doch nicht.

Morgen gehts in aller Frühe, um 05:30 in den Parque Provincial Ischiguilasto. Ein spektakuläres Naturschutzgebiet, was so wie eine grosse Mondlandschaft aussehen soll. Ich lass mich überraschen. Zwei Holländer werden mit dabei sein, die habe ich schon kurz im Tourbüro kennen gelernt.

Und auf der Tastatur habe ich heute die Doppelpunkte fuer all die ü und ä gefunden. Ist ja so auch besser zu lesen.

¡Adiós!

bei Neonlicht bestes Essen

In San Rafael ist einiges anders, als im Rest des Landes. Sie sind hier wirklich nett. Auf meiner Suche nach einer Agentur fuer die Tour durch den Cañon del Atuel, bat ich im Hostel Terrasoles um die Vermittlung fuer eine Tour. Ohne weiteres wurden ein paar Agenturen fuer mich angerufen und am Ende hatte ich meine Buchung fuer den naechsten Tag.
Das Hostel Terrasoles (HI) steht nicht im lonely planet (D). Deshalb an dieser Stelle meine Empfehlung, wenn jemand eine guenstige und gute Uebernachtung in San Rafael sucht.
Die Cañon sollen vergleichbar mit denen in Arizona sein. Ich kann es nicht beurteilen, denn ich war noch nicht dort. Aber es ist wirklich ein tolles Farbspiel der Gesteine, die 3 unterschiedliche Urspruenge haben. Teils ist es Lavagestein, teils sind Plattenerhebungen und Verschiebungen zu sehen und ansonsten farbliche Veraenderungen durch Oxydationsprozesse. Das reicht von gelb, rot, lila bis hin zu braun, gruen und grau in allen Nuancen. Riesen gross und extrem lang sind die Formationen.
Waehrend der Tor hatte ich Gelegenheit - ich war der einzige Auslaender im Minibus - mit einigen Argentiniern in Kontakt zu kommen. Sie waren sehr aufgeschlossen und hoeflich. Zwei wussten am Ende sogar "Auf Wiedersehen" zu sagen.
Am Abend ging ich ins "Shalako" essen. Von weitem und von aussen sieht es nicht besonders einladend aus. Denn grelle, geschmacklose Neonlampen ohne Schirm beleuchten das innere und die Terasse des Restaurants. Aber hier gibt es wirklich super Essen. Ich habe das Steak an Roquefort-Sosse probiert, dazu einen Salat mixta. Es war einfach ein genialer Genuss. Das zeigt mal wieder, dass es weniger um die Einrichtung eines guten Restaurants, als viel mehr um einen guten Koch geht. Und die Bedienung war sowas von Flott. Die Kellner rennen, ohne zu uebertreiben. Hier gehen auch viele Einheimische hin, obwohl es in San Rafael im ueberigen nicht dieses typische Ausgehverhalten gibt.
Jeder Zeit wieder ins Shalako, aber meine Reise geht weiter.

1. Dezember 2008

San Rafael statt Cordoba

Ich habe Cordoba von meiner Route gestrichen. Um ueber 7 Stunden mit dem Bus dort hin zu fahren, durch die Stadt zu troedeln ... um dann nach einer weiteren Nacht nochmal 7 Stunden ..., bin ich kurzer Hand statt dessen nach San Rafael gefahren, was 270 km suedlich von Mendoza liegt. Hier habe ich gerade ein richtig leckeres Sandwich Lomito gegessen. Danach war mir auch gewesen.
Morgen will ich entweder einen Tagesausflug machen, um den ich mich gleich mal kuemmern muss, oder aber mit dem Fahrrad zu den Bodegas der Gegend.
San Rafael ist richtig gemuetlich. Viele junge Leute wohnen hier und "fast" alle fahren sie Fahrrad. Es geht hier viel ruhiger zu, als in Mendoza. So stand es im Lonely Planet und das stimmt auch. Hier wohne ich im Hotel Jardin, dessen Zimmer in einen schoenen, italienisch angehauchten Patio fuehren.

Alle, die ich bisher traf, kommen mir aus Salta entgegen. Vorteil fuer mich, weil ich so gute Tips fuer meine Tour bekomme, weshalb auch Cordoba gestrichen ist. Schoen ist es, selten auf Deutsche zu treffen. Am meisten sind Amis, Kanadier, Schweizer und Daenen unterwegs. Alles ganz sympathische Leute. So macht das Reisen Spass.

¡Nos vemos!

Mendoza am Sonntag

Ich war richtig ueberrascht ueber die Ruhe in der Stadt. Nadja aus Konstanz, die ich am Nachmittag traf, meinte, die Argentinier wuerden am Sonntag immer "versammelte lange Weile" auf den Strassen und Placas "aussitzen". Mir kam das aber nicht so vor. Am Vormittag war die Stadt so ruhig und leer (wie tot!), wie jede andere bundesdeutsche Kleinstadt sonst auch. Nur das sie da ueberhaupt nicht aus dem Haus kommen, auch am Nachmittag nicht mehr.
Wohl waren alle im Parque General San Martin, den ich erst am spaeten Nachmittag besuchte. Der Parque erinnerte mich an den Berliner Tiergarten, nur noch groesser und mit dicker gruener, nicht runter getretener Wiese. Cafe, Salate und andere mitgebrachte Lunch-Utensilien auf Tischen verteilt und Familie und Freunde auf Campingstuehlen drum herum. So kann der Sonntag der Mendozinos im Parque aussehen.
Zum Parque gehoert der Cerro de la Gloria. Der Weg dort hoch sollten 5 km ausmachen und der Schuttle-Bus wollte nicht mehr hoch fahren. Es sah auch nach Regen aus, drum kehrte ich einfach um. Auf der haelfte meines Weges fing es dann - wie am Anfang der Reise schon angekuendigt - an zu regnen, was sehr erfrischend war. Ich stand gerade unter dem Dach eines Kioskes, da kam mir eine Señorita entgegen und fragte mich nach dem Weg zum Cerro und "woher". Das war dann Nadja, und weil ich so unentschlossen war und nicht zum Cerro hoch gelaufen bin, schloss ich mich Nadja an und so kam ich dann doch noch oben an. Sie verkuendete, einen schnellen Schritt zu laufen und das war wohl auch das, was mir an Energie den Tag ueber fehlte. Ich laufe hier im allgemeinen doch sehr gemuetlich und den Vormittag ruhte ich mehr aus und plante die naechsten Tage.
Jedenfalls sind wir auf dem Cerro angekommen, auf dem ein imposantes Denkmal von General San Martins Armee steht, welche Argentinien, Chile und Peru von den spanischen Kollonialherren befreite. Ansonsten gibt es einen schoenen Blick, rueber zu den Cordillieren und ins Tal der Region Mendoza, welches doch sehr flach und unheimlich gruen ist. Mendoza´s Strassen sind "ueberdacht" mit grossen Platanen, die - spaeter fing es richtig an zu regnen - ein vor Sonne und Regen schuetzen. Und wenn nicht gerade Sonntag ist - es kam mir vor wie ein Auto freier Sonntag - ist die Hoelle auf den Strassen los. Laut und stinkig. Es gibt massig uralte Autos aus den 50-iger und 60-iger Jahren und natuerlich alte Busse, die schwarze Auspufffahnen hinter sich her ziehen. Da war die Zeit der Trabis im Osten eine bessere, was die Verschmutzung angeht. Ich stelle mir hier die Einfuehrung der Feinstaubplakette vor. Da wuerde hier garnichts mehr gehen, also noch mehr als nur Auto freier Sonntag.
Mendoza hat einen schoenen alten Bahnhof (1928), nur das dort seit Jahren keine Zuege mehr ankommen. Das Bahnhofsgebaude aus der Zeit hat nur kein Dach mehr (abgebrannt) und wird jetzt von alternativen Kuenstlern genutzt bzw. gibt es schoene Bilder und Grafittis an den Waenden (Fotos davon gibt es spaeter). Alte verrostete Triebwagen mit Personenabteil stehen dort auf dem "Abstellgleis". Der Haupteingang hat eine breite Marmortreppe die noch erstaunlich gut erhalten ist. Ich bin kein Eisenbahn-Freak, aber der Bahnhof hat mich beeindruckt. Die Schienen fuehrten auf der heutigen Av. Belgrano lang und sind jetzt unter dem Mittelstreifen mit Gras ueberwachsen. Aan den Kreuzungen druecken sich die Schienen durch die Teerdecke. Sogar alte Signalanlagen stehen dort noch rum, als wuerde gleich ein alter Zug vorbei kommen.
Mendoza ist nett und sympatisch, hat schoene kolloniale Ecken, aber ist ziemlich laut. Es lohnt sich, hier ein ein paar Tage zu verbummeln.

Achja, dann war ja heute noch der erste Advent. Das interessiert hier keinen ;-). Die Temperaturen sind ja auch um die 28 Grad. Nur Nadja hatte mich daran erinnert (und vor zwei Tagen eine Mail aus D) und praesentierte Stolz eine Kerze, die nicht nach frischer Limone, sondern nach "Weihnachten" duftet; jedenfalls so wenig in der Art.

Weintour per Drahtesel

Gestern habe ich das gemacht, wofuer Mendoza einen Ausgangspunkt bietet. Eine Tour zu verschiedenen Viñas (hier heissen sie Bodegas) von Maipu. Dazu einfach in den Bus der Groupo 10, Linea 171,172 oder 173 gesetzt und Ziel ist Coquimbito. Natuerlich uberschlagen sich die, die unbedingt ein Fahrrad vermieten wollen. Qualitativ gibt es kaum unterschiede. Es sind Mountanbikes, oder auch mal Tandems, bei denen man besser keinen Gang versuchen sollte zu schalten und wenigstens eine Bremse so funktioniert, dass man gefahrlos zum stehen kommt, wenn es mal ganz ploetzlich sein muss. Gefahren wird sowieso nicht so schnell, wegen der Hitze, der Umgebung und der Strasse. Obwohl es in Coquimbito auf einem Fahrradweg, ganz neu gebaut, los geht. 6 Bodegas werden bei Mr. Hugo auf einer Karte eingezeichnet und angepriesen, nach dem Mr. Hugo einen mit Handschlag begrusst hat, als wuerde man gestern noch bis zum Morgengrauen beim Wein an der Bar vereinbart haben: "Mensch komm doch morgen spontan bei mir vorbei ..."
Das Weinmuseum und die Chokolateria habe ich weg gelassen. Statt dessen bin ich zur Bodega viñna el cerno und spaeter noch zur Bodega Familia di Tommaso. Bei el cerno ging es kurz in den Keller, wo der Wein noch in Holzfaessern reift. Wer sich nicht auskennt, dem sei gesagt, meistens reift er im Tank und das Ergebnis kommt dem Qualitativ sehr nahe. Viel wichtiger war die Verkostung. 2 Glaeser fuer 15 AR$. Ich probierte den Róse und einen besseren, 6 Monate im Holzfass gereiften Malbec. Der Malbec lag gut auf der Zunge und veranlasste mich gleich, vom Holzkohlegrill (also echtes Holz und nicht welches aus'm Baumarkt, wie in D) ein Sandwiches con Carne zu essen. Es war die perfekte Kombination, denn zum Carne gab's eine selbstgemachte Sosse von Tomaten, Zwiebeln, besten Olivenoel und Krauetern; und keinen Ketchup! Zum Nachtisch trank in den Rose, der frisch und leicht nachspuelte. So konnte es gut gestaerkt zur naechsten Bodega gehen, aeeh fahren.
Bei Tommaso war es eine schoene und jungen Señorita, die kurz die angebauten Sorten erklaerte und welche Eigenschaften den jeweiligen Jahrgang beeinflussen. Da waeren, der Boden, das Wasser aus den Anden, die Sonne, die Luft, das Holzfass, die Flasche (!) und der Korken. Es gab dann fuer 10 AR$ 3 Malbec, unterschiedlichen Herstellungsprozesses und zum Schluss noch einen Dessertwein. Letzterer war auch sehr gut, ist aber nicht so meins. Ein Malbec war besser als der andere.
Die Bodegas sind eher klein und nicht so gross, wie die Viñas, die ich in Chile kennen gelernt habe. Solch eine Tour lohnt sich in jedem Fall. Allein wegen der Atmosphaere, zwischen den Weinfeldern (hier wird, wie auch in Chile, nicht am Hang sondern auf dem Feld angebaut) lang zu fahren, im Hintergrund die Cordillera, einen blauen Himmel und gut riechende Plantagen. Es lohnt sich auf jeden Fall, solche eine Tour zu machen. Am Ende bot mir auch Hugo noch einen Wein ein, mir war aber nach einem Cortado, die ich auch bekam. Er brachte mich dann noch zum Bus. Aber nicht, weil ich ihn nicht allein gefunden haette!